Zeitdruck zur Innovation

Die klinischen Akteure der deutschen Krankenhauslandschaft spüren einen gewissen Druck zur Innovation und begrüßen die ausgeschriebenen Fördergelder des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG).

Wer seine Mitarbeitenden involviert und langfristig handelt, hat sehr gute Aussichten auf Erfolg.

Im Rahmen der Panel Diskussion „Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG): Die einmalige Chance fürs digitale UpDate – Fördern und Fordern” debattierten am 08.06.21 fünf Referenten online über das einmalige Förderinstrument zur Digitalisierung der Krankenhauslandschaft in Deutschland. Anton Dörig moderierte die Runde mit Vertretern aus Klinik, Reha-Einrichtung, IT-Dienstleistern und dem Marburger Bund als Interessensvertretung der Ärzte.

Anspruchsvolle Ziele

Das KHZG klingt anspruchsvoll in den Zielen und setzt die Handelnden dabei zeitlich unter Druck. Förderanträge müssen beim Bund bis 31. Dezember 2021 eingegangen sein. Falls bewilligt, haben die Häuser bis Ende 2025 Zeit, um die Maßnahmen abzuschließen. Die Eile rentiert sich, stehen doch beachtliche 4,3 Mrd. Euro Fördermittel zur Verfügung. Das Bundesministerium für Gesundheit stellt 3 Mrd. Euro und die Länder noch einmal 1,3 Mrd. Euro bereit, um die IT-Infrastruktur der Häuser zu digitalisieren.

Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes, rückte in der Expertenrunde jene ins Zentrum, die die erwünschte IT-Infrastruktur zukünftig auch nutzen sollen. Ärzte und Pflegekräfte kennen jeden Arbeitsschritt und sehen deutlich, wo Verbesserungspotenziale zu heben sind. Es gilt, sie in die Veränderungsprozesse einzubinden und so ihre Akzeptanz zu gewinnen. Dabei helfen konkrete Handreichungen wie beispielsweise das vom Marburger Bund entwickelte Programm „Digitale Brücken mit starken Pfeilern bauen“, um das komplexe Thema auf die Anwenderebene zu holen.

Die Geschäftsbereichsleiterin Rehabilitation vom Bundesverband Deutscher Privatkliniken, Antonia Walch, legte den Finger in eine strukturelle Wunde des KHZG. Auch Vorsorge- und Reha- Einrichtungen gehören in die medizinische Wertschöpfungskette.

Investitionen in ein digitales Aufnahme- und Entlassmanagement wirken nur, wenn alle Beteiligten in der medizinischen Wertschöpfungskette von den Zuschüssen profitieren. Gefragt ist eine sektorenübergreifende Versorgung mit unbürokratischen Hilfen für alle Involvierten.

Die Perspektive der universitären Klinik geht in Richtung Prozessoptimierung als Chance für zukünftige Innovation. Thorsten Kaatze, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen, nutzt die Mittel für den offensiven Schritt nach vorne. Bisherige Defizite und Fehlanreize dürfen zuerst identifiziert und behoben sein, um nicht als Hemmschuh den Status zu manifestieren. Wenngleich nicht alle ‚Fehlstellungen‘ mit diesen Geldern korrigiert sein werden und auch die Frage der Anschlussfinanzierung erst noch geklärt sein muss, bieten die Maßnahmen die Chance, Modernisierung, Innovation und Digitalisierung mit langfristiger Wirkung anzustoßen. Erst Prozesse optimieren und sie anschließend digitalisieren – so lautet die Abfolge, mit der Gelder sinnstiftend wirken.

Die Entlassmanagement Plattform Recare verbindet heute über 15.000 Gesundheitseinrichtungen und praktiziert schon heute, was sich die Verfechter des KHZGs für die Zukunft vorstellen. Maximilian Greschke, Managing Director von Recare Deutschland, thematisierte die Folgekosten der Investitionen. Nur wenn die Kliniken ihre Prozesse auf spürbaren Mehrwert hin umgestalten und Budgets freisetzen, kann es nachhaltig ein gewinnbringendes Ergebnis geben.

Das KHZG schaffe die Infrastruktur, um Versorgungskoordinaten neu zu denken.

Maximilian Greschke

Rasches Einführen von Innovation führe zu effizienten Abläufen, was niedrigere Kosten und am Ende freie Gelder bringen würde. Skalierbare digitale Lösungen unterstützten die Häuser dabei, die Folgekosten in den Griff zu bekommen und eine solide Refinanzierung auf den Weg zu bringen.

Ziel sei es für Dr. Timothy Mende, reproduzierbare Behandlungsexzellenz sicherzustellen. Hier setzt der CEO von Kumi health an und unterscheidet klinische Abläufe beispielsweise von denen der produzierenden Industrie. Eine digitale Bibliothek von Behandlungspfaden sorgt etwa dafür, dass Information zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle ist; eine Managementaufgabe, die häufig im Trubel handgeschriebener Notizzettel versinkt. Die Akzeptanz der Anwender sieht er als gegeben, ginge doch der kulturelle Wandel hin zur Digitalisierung viel schneller als die heutigen Akteure sich vorstellen würden. Mende denkt bereits an autonom fahrende Busse, die nach Behandlungsplan die Patienten abholen und zur Reha bringen.

Chancen für die Zukunft

Stellschrauben und Erfolgsfaktoren für den sinnvollen Einsatz der immensen Mittel des KHZG sehen die Beteiligten generell über die pure IT-Anwendung hinaus. Die Anwender müssen mitgenommen werden, Inputs erhalten und damit eine Chance, die Innovation auch zu verarbeiten. Ob IT-Beirat oder „Menschen, die andere Menschen verstehen“ (Thorsten Kaatze) – das gelungene Vermitteln von Fortschritten und Innovation entscheidet über den langfristigen Erfolg der Investitionen. Dabei ist das Management gefragt, ein Management, welches bisweilen selbst wenig von IT versteht. Gleichwohl, durchgängige Kommunikation und eine entschiedene persönliche Haltung für die Neuerungen entscheiden, wie alle Mitarbeitenden die Prozesse erleben und sie für sich selbst erobern.


Quelle: Management & Krankenhaus

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