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„Führungskräfte brauchen einen klaren Fahrplan für KI“ – Aleksandar Ivanovski über sein neues Buch

Unser Senior Machine Learning Engineer Aleksandar Ivanovski hat im Juli 2025 sein erstes Buch veröffentlicht: Beyond the Hype: A Practical Guide to AI Implementation for Business Leaders. Im Interview spricht er über seine Motivation, Autor zu werden, die wichtigsten Botschaften des Buches, und: wie Unternehmen, gerade auch im Gesundheitswesen, KI jenseits des Hypes erfolgreich einsetzen können.

Hi Aleksandar, dein Buch startet mit „The Reality Behind the AI Revolution”. Gab es ein Schlüsselerlebnis in deiner Arbeit, das dir gezeigt hat: Wir brauchen dringend einen realistischeren Blick auf KI?

    Ja, auf jeden Fall. In meiner Arbeit habe ich oft erlebt, wie der Hype um KI unrealistische Erwartungen weckt. Vielen Unternehmen werden schnelle, fast „magische“ Lösungen versprochen, nur um dann festzustellen, dass die Umsetzung in der Praxis viel komplexer ist. Diese Kluft zwischen Erwartung und Realität kann zu kostspieligen Fehlern und Frustrationen führen.

    Das hat mich dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben. Um Unternehmen dabei zu helfen, den Hype zu durchschauen und sich KI auf praktische, fundierte Weise zu nähern. Anstatt dem Hype hinterherzulaufen, möchte ich Führungskräften zeigen, wie sie sich auf die Lösung realer Probleme und die Schaffung messbarer Werte konzentrieren können.

    Was bedeutet für dich „Beyond the Hype” – und warum ist dieser Perspektivwechsel für Führungskräfte entscheidend?

    Für mich bedeutet „Beyond the Hype“, über die Schlagworte hinauszugehen und KI als das zu sehen, was sie wirklich ist: ein leistungsstarkes Geschäftsinstrument – keine Zauberlösung, die für jedes Problem geeignet ist. Für Führungskräfte ist diese veränderte Perspektive entscheidend, da sie die Fragen, die sie stellen, verändert. Anstelle von „Welche KI sollten wir kaufen?“ rückt nun die Frage „Welche konkreten Herausforderungen können wir mit KI lösen?“ in den Mittelpunkt.

      Diese Denkweise hilft Führungskräften, Ablenkungen auszublenden, fundiertere strategische Entscheidungen zu treffen und in Projekte zu investieren, die greifbare Geschäftsergebnisse liefern. Außerdem schützt sie sie davor, Trends hinterherzujagen, die zwar beeindruckend erscheinen mögen, aber letztendlich Ressourcen verschwenden oder das Vertrauen beschädigen, wenn sie scheitern.

      Wenn deine Leserinnen und Leser nur drei Botschaften aus dem Buch mitnehmen würden – welche wären das?

      Erstens: Lasst euch nicht vom Hype mitreißen. KI ist ein leistungsstarkes Werkzeug, aber sie kann nicht automatisch jedes Problem lösen. Erfolg entsteht, wenn man ihre Grenzen versteht und sie strategisch einsetzt.

        Zweitens: Konzentriert euch auf die Lösung realer Geschäftsprobleme. Beginnt mit einer klaren Herausforderung und definiert messbare Ergebnisse. Der ROI entsteht durch den Wert, den KI ermöglicht, nicht durch die Technologie selbst.

        Drittens: Betrachtet KI als Partner, nicht als Ersatz. Ihre größte Wirkung entfaltet sie, wenn sie die menschliche Intelligenz ergänzt, die Entscheidungsfindung unterstützt, die Effizienz verbessert und Teams in die Lage versetzt, intelligenter zu arbeiten, anstatt sie zu ersetzen.

        Im Gesundheitswesen sind Datenqualität und Regulierung zentrale Themen. Welche Hürden siehst du hier – und wie lassen sie sich überwinden?

        Die Herausforderungen im Bereich der Gesundheitsdaten sind aufgrund von Datenschutzbedenken und der Sensibilität von Patientendaten besonders groß. Strenge Vorschriften in Bezug auf personenbezogene Daten und Datenhoheit erschweren die Zentralisierung von Daten für das KI-Training. Dies führt zu einem echten Spannungsfeld: KI funktioniert am besten mit großen Datensätzen, aber Vorschriften verhindern, dass diese Datensätze einfach kombiniert werden können.

          Ein vielversprechender Ansatz, um dieses Problem zu lösen, besteht darin, die KI zu den Daten zu bringen, anstatt die Daten an einen zentralen Ort zu verschieben. Techniken wie Federated Learning und Edge-Computing ermöglichen es, Modelle direkt in Krankenhäusern oder Kliniken zu trainieren und auszuführen, sodass die Daten ihren Ursprungsort nicht verlassen. Dieser Ansatz schützt die Privatsphäre und ermöglicht gleichzeitig schnellere Echtzeit-Erkenntnisse.

          Ein weiteres Hindernis ist die mangelnde Standardisierung bei der Implementierung von KI. Während die Datenformate relativ einheitlich sein können, gibt es keine klaren Protokolle dafür, wie KI-Systeme mit der bestehenden Infrastruktur interagieren sollen. Um voranzukommen, brauchen wir Governance-Rahmenwerke, die definieren, worauf KI-Agenten zugreifen können und worauf nicht, sowie Standards für ihre Integration.

          Der Aufbau eines strukturierten, zuverlässigen Ökosystems auf diese Weise ist unerlässlich, wenn KI im Gesundheitswesen sowohl innovativ als auch vertrauenswürdig sein soll. So wird sichergestellt, dass Fortschritte nicht auf Kosten der Patientensicherheit oder der Datenintegrität gehen.

          Wenn KI in einem Unternehmen oder einer Klinik bereits etabliert ist – welche Stolpersteine lauern in der Skalierungsphase, und wie sichert man den Erfolg nachhaltig?

          Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten damit, ein erfolgreiches KI-Pilotprojekt zu einer vollständigen Lösung auszubauen. Die größten Herausforderungen sind dabei oft nicht technischer, sondern organisatorischer Natur.

            Erstens können Modelle ohne ein geeignetes MLOps-Framework nicht kontinuierlich bereitgestellt und überwacht werden. Dies kann zu Problemen wie Daten- oder Modellabweichungen führen, wodurch die Leistung mit der Zeit abnimmt.

            Zweitens kann die Skalierung von KI ohne strenge Governance- und Compliance-Protokolle erhebliche rechtliche und ethische Risiken mit sich bringen.

            Drittens kann eine unklare Kostenverwaltung ein vielversprechendes Pilotprojekt zu einem teuren, nicht nachhaltigen Projekt machen.

            Um langfristigen Erfolg zu gewährleisten, sollte KI als ein sich ständig weiterentwickelndes Produkt und nicht als einmaliges Projekt betrachtet werden. Dies erfordert eine Kultur der Zusammenarbeit, die Teams miteinander verbindet und die Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus hinweg teilt. Durch die Konzentration auf zuverlässige Implementierung, Governance und organisatorische Abstimmung können Unternehmen sicherstellen, dass ihre KI-Initiativen einen greifbaren, dauerhaften Mehrwert liefern.

            Wie wendest du die Erkenntnisse aus deinem Guide im Arbeitsalltag bei Recare an?

              In meiner täglichen Arbeit bei Recare kann ich die Prinzipien aus meinem Buch direkt anwenden. Der Ansatz des Unternehmens entspricht genau der Kernaussage meines Leitfadens: KI strategisch dort einzusetzen, wo sie einen echten geschäftlichen Mehrwert bietet, anstatt sie überall einzusetzen, nur weil es möglich ist.

              Als Senior Machine Learning Engineer schätze ich es, dass Recare einen problemorientierten Ansatz verfolgt. Wir identifizieren zunächst die geschäftliche Herausforderung und entwickeln dann die KI-Lösung, die diese am besten bewältigt. Wir pflegen ein ausgewogenes Projektportfolio, das es uns ermöglicht, mutige, risikoreichere Innovationen zu verfolgen und gleichzeitig eine starke Basis aus risikoarmen, wirkungsvollen Produkten zu erhalten.

              Recare nimmt auch den Datenschutz und die Einhaltung von Vorschriften ernst. Wir verfolgen einen „Compliance by Design”-Ansatz und bringen die KI zu den Daten, anstatt umgekehrt. So können wir strenge Vorschriften zur Datenhoheit einhalten und sensible Patientendaten schützen, während wir gleichzeitig sichere und zuverlässige Lösungen anbieten.

              Durch meine Arbeit hier kann ich jeden Tag sehen, wie ein durchdachter, strategischer Ansatz für KI einen echten Mehrwert sowohl für das Unternehmen als auch für unsere Kunden schafft.

              Aleksandar, vielen Dank für deine Einblicke. Wir sind gespannt, wie Beyond the Hype Führungskräfte auf ihrem Weg zu einer realistischen und erfolgreichen KI-Strategie begleiten wird.

              Über Recare

              Recare ist der Technologiepartner für ein optimales Entlassmanagement. Das Unternehmen setzt moderne Technologie in komplexen, regulierten Umgebungen ein und erleichtert so die effiziente Koordination zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen. Recare verbindet mehr als 700 Akut- und Rehakliniken mit 17.000 Nachversorgern über die gleichnamige Plattform. Das Unternehmen ist im Bereich digitales Entlassmanagement führend in Bezug auf Marktplatzgröße, Sicherheit und technische Integrationen sowie Interoperabilität. Recare wurde 2017 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin.

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              Markus Schneider und Tim Pieper sind seit vielen Jahren feste Stimmen im Kundensupport-Team von Recare. Sie sorgen dafür, dass jede Anfrage gehört wird – und
              Aus DRG-Sicht ist nahezu jeder Fall mit Pflege- oder Rehaüberleitung unprofitabel, da der Entlassprozess zu spät startet und die Verweildauer dadurch deutlich über der mittleren
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